A. D. Rattray Caroni 17 Jahre 1997

Heyho Rumfans,
schön, dass ihr beim BarrelProof Review Nummer 9 wieder dabei seid!

Heute gibts wieder was aus Trinidad, einen 17-jährigen Caroni vom unabhängigen Abfüller A. D. Rattray. Einige von Euch kennen diesen sicherlich aus der Whiskywelt, doch ab und zu blicken auch die Maltheads über den Tellerrand. Diese Flasche ist Bestandteil der sogenannten Cask Collection von A. D. Rattray, das heißt der Rum ist nicht kältegefiltert, nicht gefärbt, dafür aber in Fassstärke und aus einem einzelnen Fass abgefüllt. Und für aktuell ca. 75€ pro Flasche im Handel. Wenn das in Verbindung mit der Caroni Destillerie nicht mal vielversprechend ist … 

Faktencheck

Alter: 17 Jahre
Herkunft: Trinidad & Tobago
Destillerie: Caroni Distillery
Abfüller: A. D. Rattray
Alkohol: 63.6% Vol.
Destilliert: 17. 06. 1997
Abgefüllt: 19. 01. 2015
Fassstärke: Ja
Einzelfass: Ja
Natürliche Farbe: Ja
Fassnummer: 213
Flaschennummer: unbekannt
Flaschen insgesamt: 231

Im Glas strahlt der Rum in einem kräftigen Kupfer mit leuchtend orangenen, sich im Licht brechenden Reflexen. Sofort bilden sich viele, viele kleine Tröpfchen und Schlieren, die es langsam, ganz langsam in Richtung Glasboden zieht. Dieser Rum strahlt bereits jetzt eine wunderbar angenehme Reife aus.

In der Nase macht sich – nachdem der Rum einige Minuten im Glas atmen durfte – sofort eine dicke Karamellschicht aus gebranntem Rohrzucker breit. Dazu gesellen sich umgehend verschiedene, komplexe Eichenaromen aus dem Fass. Über allem schwebt der heilige Caroni, der mit kleinen Teerbröckchen um sich wirft und Lampenöl versprüht. Im Hintergrund liegt eine leicht fruchtige Note von Bitterorangenmarmelade (die von KOO ist übrigens mein Favorit) und vielleicht ein paar Brombeeren (habe ich mir die nicht gestern schon beim 10-jährigen Clément eingebildet?).

Im Mund sofort eine unglaublich intensive und unerwartet süße (aber nicht mit einem Süßrum zu vergleichende) Karamellnote. Nach ein paar Sekunden werde ich dann aber mit aller Macht daran erinnert, dass es sich um eine Abfüllung in Fassstärke handelt. Es prickelt für ein paar Sekundenbruchteile angenehm intensiv auf der Zunge und schon sind alle Eindrücke aus der Nase wieder vorhanden. Karamell, Orange, Eiche, Teer, Lampenöl, Vollmilchschokolade, Gewürze, … dieser Rum wird einem bestimmt so schnell nicht langweilig!

Der Abgang schließt sich nahtlos an den Geschmackseindruck an. Eiche, Teer, Milchschokolade, die später in Bitterschokolade übergeht, dazu Tabak, feuchtes Leder und dann etwas Lakritz und vielleicht minimal Anis. Ein wahnsinnig langer und toller Abgang, der die vollen 10 Punkte verdient hat.

Fazit und Wertung
Ich bin begeistert! Dieser Rum ist seit langem der Beste, den ich probieren durfte. Und das spiegelt sich auch in meiner derzeit höchsten Wertung wieder. Ich war kurz davor glatte 10 Punkte zu vergeben, aber was mache ich, wenn dann etwas noch besseres den Weg in mein Glas findet?

Dieser Caroni vereint jedenfalls ein sattes, aber nicht zu süßes Karamell mit einen Hauch Fruchtigkeit, sowie eine toll balancierte Reife mit den zugehörigen Eiche- und Gewürzaromen mit den für Caroni so typischen Aromen von Teer und Benzin.

Aroma
9 / 10
Geschmack
9.5 / 10
Aftertaste
9.5 / 10
Gesamt

Der Haken an der Sache? Die Limitierung! Aus dem Fass mit der Nummer 213 kamen lediglich 231 Flaschen – und mehr wurde von A. D. Rattray dieses Jahr nicht abgefüllt. Sprich, es gibt nicht mehr und nicht weniger als 231 Flaschen. Zwei davon stehen in meinem Barschrank, von dreien weiß ich, dass sie geteilt wurden, und von mindestens 5 weiteren weiß ich, wo sie lagern. Damit sind schon fast 5% der Gesamtmenge weg. Wieviele Flaschen ihren Weg nach Deutschland gefunden haben kann ich nicht sagen, aber allzuviele werden es nicht sein. Wer also noch eine ergattern kann, sollte sofort zuschlagen. Vor ein paar Wochen war dieser 17jährige Caroni noch in vielen deutschen Onlineshops verfügbar, doch so langsam lichten sich die Regale. Wer kann, soll zuschlagen!

 

11 Comments

      • Wobei das ja noch vergleichbar harmlos ist 😉 Wenn ich da mal drei Jahre zurück denke… als 5 Freaks 65 Flaschen LPS Long Pond 2nd Release eingelagerten 😀

        Das würde ich heute aber in diesem Stil nicht mehr machen und auch nicht mehr empfehlen. Dafür ist die Rum Welt einfach zu vielfältig geworden und die Abwechslung ist wesentlich reizvoller und spannender als der beste Tropfen, nachdem man ihn kennt.

        Flo

        • So sieht es aus – irgendwann wird leider auch die tollste Abfüllung langweilig. Ein oder zwei Flaschen für den Keller sind durchaus sinnvoll, vor allem weil die Preise derzeit meist noch relativ bezahlbar sind. Aber Kistenweise würde ich auch nichts bunkern.

          Ach, der gute alte LPS. Ich hab leider nur was vom 1st und 3rd Release abbekmmen, also wenn dein Keller noch voll ist und du eine Fläsche oder Sample loswerden willst … 😉

          • Das tut mir Leid, die sind inzwischen alle geleert oder verkauft worden. Aber ich bin sicher, dass es ein solches Schnäppchen eines Tages auch mal wieder geben wird. Vielleicht nicht so extrem (~35€/ Flasche sind schon schwer zu unterbieten), aber ähnlich. Denn die höheren Preise werden derzeit vor allem deshalb verlangt, weil sie gezahlt werden, nicht weil sie verlangt werden müssen. Anders wäre das von RA ja gar nicht möglich gewesen. Da wird also schon auch mal wieder was nachkommen 😉

            Flo

  1. Ich bekenne mich auch schuldig als caroni-infizierter, bei mir gingen auch direkt 3 Flaschen dieser herausragenden Abfüllung ins Barfach. Wobei ich ihn mit ein paar tropfen Wasser noch besser finde, da macht er nochmal richtig auf. Vergleichbar mit den aktuellen velier Abfüllungen, die finde ich auch sehr kompakt im full proof Modus. Der Trend zur zweit- oder drittflasche ist bei caroni also deutlich vorhanden.

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