Dos Maderas PX 5+5

Heyho Rumfans,
schön, dass ihr beim BarrelProof Rum Review Nummer 24 wieder dabei seid!

Ein Sherryfinish oder allgemeiner gesagt die Nachreifung eines bereits gereiften Destillates zur finalen Abrundung in ehemaligen Sherryfässern ist beim Scotch ganz und gäbe – beim Rum in der heutigen Zeit doch eher eine Seltenheit. Genau aus diesem Grund habe ich eine kleine Serie von drei bis fünf in Sherryfässern gefinishten Rums geplant, die ich mit Euch in den nächsten Reviews gemeinsam entdecken möchte. Der erste Kandidat, um den es in diesem Review geht ist einer, der den alten Rumhasen unter Euch sicherlich bekannt sein dürfte: Der Ron Dos Maderas PX 5+5. Er landet bei vielen Rumfreunden relativ am Anfang der großen Rum-Reise im Glas, da er mit etwa 35,- pro Flasche nicht allzu teuer ist und bei Süßrumfans einen herausragenden Ruf genießt. Ob er auch bei mir Punkten kann sehr Ihr gleich.

Doch zunächst noch ein paar Details: Für den Dos Maderas PX 5+5 werden zunächst fünf Jahre getrennt in der Karibik gereifte Rums aus Barbados und Guyana vermählt und anschließend nach Spanien verschifft. Dort angekommen wird der Blend in Ex-Palo Cortado-Fässer, also Fässer in denen zuvor hochwertiger Sherry lagern durfte, umgefüllt und darf darin für weitere drei Jahre reifen. Das Ergebnis ist der kleine Bruder des Dos Maderas PX, der Dos Maderas 5+3. Um aus dem 5+3 einen 5+5 zu machen – wer hätte es gedacht – gibt es nochmal zwei Jahre in Sherryfass – diesmal eins, wie der Name schon vermuten lässt, in dem vorher Sherry der Sorte Pedro Ximenez ruhte. Dieser Reifungsprozess hat dem Rum übrigens auch seinen Namen verliehen: La madera, spanisch für Holz, in Kombination mit einer zwei und zwei fünfen – nunja. Zum Glück bin ich kein Marketer, denn sonst müsste ich mir auch solche kreativen Analogien ausdenken … Aber nun zum Rum:

Im Glas leuchtet der Rum in einem schönen Mahagoniton, orangefarbene Reflexe spielen mit dem Licht. Die recht hohe Viskosität in Kombination mit den nur zehn Jahren Fassreife lässt erahnen, dass es sich bei diesem doch recht jungen Rum um einen relativ süßen und milden Kandidaten aus der Kategorie Süßrum handeln wird.

Die Nase nur kurz in Richtung Glas gehalten sind sofort stark ausgeprägte Sherryaromen wahrzunehmen. Leicht getrocknete Rosinen, Zwetschgenröster, Pflaumenkompott, zuckersüße Datteln und ein Anflug von Waldfruchtmarmelade liegen dominant vor einer dünnen Schicht Karamell. Fasseinfluss und Eichenaromen sind kaum bis nicht auszumachen und verstecken sich hinter dem Sherry und der Süße, die sogar jegliche alkoholische Note überdecken. Sehr mild, sehr weich aber auch intensiv – leider zu süß.

Geschmacklich dominieren die bereits aus dem Aroma bekannten Zwetschgen zusammen mit Sherryrosinen mit überaufdringlicher Süße. Dahinter verstecken sich erfolgreich Anklänge von Früchtebrot, die es nur zeitweise an die Oberfläche schaffen. Das durchaus komplexe Trockenobstpotpourri aus dem Aroma lässt sich im Geschmack leider nur bedingt wiederfinden: zu flach und eindimensional unterdrückt der Sherry den Rum. Insgesamt wieder sehr mild und weich, dadurch aber auch etwas eindimensional – die Fass- und Eichenaromen habe ich wieder vergeblich gesucht.

Der Abgang wird von Pedro-Ximenez-Aromen und allem was dazugehört dominiert, der Sherry wird nochmals deutlicher. Sehr süß, sehr fruchtig und fast schon klebrig liegen die Sherrynoten vor dem sich mühsam aus dem Hintergrund durchkämpfenden Rum. Mir ist das definitiv zu viel des Guten, sorry.

Fazit und Wertung
Extreme Fruchtigkeit gepaart mit einer Sherrydominanz das manch ein Sherry selbst erblassen würde. Um direkt vergleichen zu können habe ich direkt mal einen Lustau Pedro Ximenez San Emilio Sherry aus meinem Barschrank geholt mit dem Dos Maderas 5+5 verglichen. Ja, der Sherry ist nochmals deutlich dunkler und süßer als der Rum, aber in einem Blindprobe könnte ich jeden verstehen, der behauptet bei dem Dos Maderas 5+5 einen Sherry im Glas zu haben. Dieser Rum hat einen extremen Sherryeinfluss abbekommen, wie selbst Jahrzehntealte First-Fill Sherryfässer es bei Scotch nicht hinbekommen. Oder es hat einer beim Einfüllen des Rums in die Sherryfässer nicht aufgepasst und das Sherryfass war noch halb voll … Aber mal im ernst: Dieser Rum schmeckt wie ein Sherry, der wohldosiert etwas Rum abbekommen hat, aber nicht wie ein in Sherryfässern (nach)gereifter Rum. Mit ist das jedenfalls deutlich zu viel des Guten. Da gibts vielleicht sogar noch einen Bonuspunkt dafür, dass man mit den Rum auch Insekten bekämpfen kann: Beim Einschenken vor etwa einer viertel Stunde habe ich versehentlich ein paar Tropfen des Rums auf dem Tisch verteilt. Jetzt, kurze Zeit später, klebt der gesamte Tisch wie eine Fliegenfalle – fast so als hätte ich eine Flasche Sirup verschüttet.

Mir ist bewusst, dass dieser Rum von vielen hochgelobt wird und dass ich eventuell mit diesem Review einigen von Euch auf den Schlipps treten werde. Damit kann ich um, aber das hier ist für mich definitiv kein Rum mehr. Als Rumlikör vermarktet gäbe es sicherlich 3 Punkte mehr.

Aroma
6 / 10
Geschmack
5 / 10
Aftertaste
4 / 10
Gesamt

Bis zum nächsten Review meiner kleinen Sherry-Finish-Serie,
Euer Cornelius

 

3 Comments

  1. andreas schwarz hat es in seinem buch auf den punkt gebracht. sinngemäß: man liebt ihn, oder man hasst ihn. deshalb hat er wahrscheinlich auch keine wertung abgegeben…

    ich liebe ihn 🙂 einer meiner favorisierten süßrums!

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    • Wie aus meiner Wertung hervorgeht geht es mir leider anders als Dir. Und auch wenn ich kein großer Süßrumfreund bin, gibt es in dem Sektor doch einige, die mir deutlich besser gefallen als dieser hier.

      Dennoch habe ich auch überlegt, ob ich in diesem Review überhaupt eine Wertung abgeben soll – ist der 5+5 doch keinem anderen mir bekannten Rum vergleichbar … sofern man ihn überhaupt noch „Rum“ nennen darf. Letztendlich habe ich mich dann aber doch dagegen entschieden keine Wertung abzugeben, da ich mir am Anfang des Blogs fest vorgenommen hatte solche Ausnahmen nicht einreißen zu lassen. Und wenn ich keine Punkte vergeben hätte, hättet Ihr in den Kommentaren danach gefragt 😉

      Wer geschmacksoptimierte Süßrums mag, wird den 5+5 lieben – nur ich gehöre leider nicht dazu und muss mehr Geld für Flaschen ausgeben, die ich wirklich genießen kann …

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