Duncan Taylor Caroni 16 Jahre 1997/2014

Heyho Rumfans,
schön, dass ihr beim BarrelProof Rum Review Nummer 19 wieder dabei seid!

Heute habe ich wieder etwas aus einer meiner Lieblingsdestillerien für Euch. Ihr ahnt es bestimmt bereits, es kann nur ein Caroni sein? Richtig! Und zwar ein Duncan Taylor Caroni 16 Jahre 1997/2014, der mit 53,8% in die Flasche kam. Wie es zu diesen krummen Alkoholwerten, die Duncan Taylor ja in der Regel verwendet, kommt, muss ich mal in Erfahrung bringen – um eine Fassstärke handelt es sich meiner Meinung nach nicht, denn dafür ist der Alkoholgehalt nach 16 Jahren einfach zu niedrig.

Heute geht’s mal ohne viele Worte direkt zu den Details und dann zum Review:

Faktencheck

Alter: 16 Jahre
Herkunft: Trinidad
Destillerie: Caroni Distillery
Abfüller: Duncan Taylor
Alkohol: 53.8% Vol.
Destilliert: 12/1997
Abgefüllt: 02/2014
Fassstärke: Nein
Einzelfass: Ja
Natürliche Farbe: Ja
Fassnummer: 110
Flaschennummer: unbekannt
Flaschen insgesamt: 296

Im Glas strahl einem der Caroni in einem satten, kräftigen Kupfer entgegen und rotbraune Reflexe spielen regelrecht mit dem Licht. Am Glasrand bilden sich langsam aber sicher dicke Tröpfchen, die es nur langsam zu ihren Freunden nach unten zieht. Auch nach ein paar Minuten im Glas haben einige von ihnen erst wenige Millimeter auf dem Weg nach untern hinter sich gebracht. Dies, sowie die Aufschrift „no added colourant“ auf der Flaschen lassen auf eine ausgeprägte Reife und Öligkeit schließen. Toll, ich freu mich!

In der Nase sofort schmutzig und dreckig wie ein Caroni sein soll! Teer, Lampenöl, Benzin und sogar etwas Gummi – fast wie eine Autobahnbaustelle – offenbart dieser Rum – und das wesentlich deutlicher, als es die zuletzt verkosteten Abfüllungen von Velier aus dem Jahr 1998 taten. Dahinter, aber erst auf den zweiten Riecher spürbar, sattes, dunkles Karamell, Rohrzucker und Anklänge von dunklem, dicken Tannenhonig. Der Alkohol kühlt angenehm in der Nase, ist aber zu keiner Zeit störend und gut eingebunden. Nach dem ersten Schluck offenbart die Nase eine leichte Fruchtigkeit von kandierten Orangen- und Mandarinenschalen.

Im Mund zunächst eine tolle Karamellsüße, die nach wenigen Sekunden von reifer Orange anschließend wieder von Teer und Benzin ergänzt wird. Sehr intensiv und aromatisch macht sich der mit nur 53,8% nicht übermäßig hochprozentige Rum sofort im gesamten Mundraum breit. Süß und leicht bitterorangig dominieren aber die phenolischen, dreckigen Teer und Benzinnoten. Dazu ein gut ausgeprägt würziger Fasseinfluss mit entsprechenden Eichenaromen, aber zu keiner Zeit sonderlich bitter.

Der Abgang schließt sich nahtlos an die Eindrücke aus Aroma und Geschmack an: es dominieren die phenolischen, teerigen Aromen, die von einer angenehmen Süße begleitet werden. Trocken ist der Rum definitiv nicht. Nach etwa einer halben Minute schwenkt der Abgang etwas in typische, reife Fassaromen um: Bitterschokolade, etwas Kaffee und Leder runden den bisher tollen Gesamteindruck wunderbar ab.

Fazit und Wertung
Ein wirklich toller, reifer, typischer Caroni, der trotz seiner Reife seine Charakteristik nicht verloren hat. Meiner Meinung hat er die Reifezeit mindestens in Teilen, wenn nicht gar komplett, in tropischen Gefilden verbacht und dabei definitiv nicht die schlechtesten Fässer von innen gesehen.

Aroma
9 / 10
Geschmack
9 / 10
Aftertaste
9 / 10
Gesamt

Eine klare Empfehlung meinerseits, die derzeit noch für etwa 75€/0,7l zu haben ist. Leider gilt auch hier: Durch die extreme Limitierung auf weltweit lediglich 296 Flaschen dieses Fasses – mehr kommt halt einfach aus einem solchen Fass nicht raus – kann sich die Verfügbarkeit schlagartig ändern. Eigentlich hätte ich Euch in diesem Review das Vorgängerfass mit 56,4% vorgestellt. Der war aber spontan ausverkauft, sodass ich als Ersatzlieferung eine Flasche dieses Fasses erhalten habe. So schnell kann es gehen, aber bei dieser Wertung hier gibt es defintiv nichts zu meckern.

Bis zum nächsten Review,
Euer Cornelius

8 Comments

  1. „[…]um eine Fassstärke handelt es sich meiner Meinung nach nicht, denn dafür ist der Alkoholgehalt nach 16 Jahren einfach zu niedrig.“
    Warum soll es sich denn nicht um eine Fassstärke handeln? Jedes Fass ist anders; ebenfalls die Auswirkungen verschiedener Lagerplätze. Manche Fässer haben enormen Verdunstungsverlust, dafür bleibt der Alkoholgehalt hoch. Bei anderen ist es genau umgekehrt: Die Verdunstung hält sich stark in Grenzen, dafür fällt der Alkoholgehalt rapide.
    Du solltest auch berücksichtigen, dass Duncan Taylor eigene Lagerhäusern in Schottland hat und es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass der Rum vor seiner Abfüllung – im Gegensatz zu den Abfüllungen von Velier – noch einige Zeit in Schottland reifte.

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    • Hallo Walli,

      zu der Aussage haben mich mehrere Überlegungen gebracht.

      Zum einen – das simpelste Argument: Es steht nicht auf der Flasche – also muss man zunächst einmal davon ausgehen, dass es nicht so ist. Vor allem, da Duncan Taylor im Whiskysektor eine Cask Strength Serie, die explizit mit Cask Strength beworben wird, aufgelegt hat.

      Zum anderen sind vergleichbare Abfüllungen von Velier nach 16 Jahren Reifung in den Tropen mit ungefähr 65% Vol. und einem Angel’s Share von deutlich über 70% noch wesentlich hochprozentiger als die hier gelieferten 54%. Ob bei der Lagerung mehr Wasser oder Alkohol verdunstet hängt neben der Temperatur hauptsächlich von der am Lagerort herrschenden Luftfeuchtigkeit ab. Trinidad und Schottland haben aber meines Wissens nach eine vergleichbare Anzahl an Regentagen sowie einen ähnlichen mittleren Luftfeuchtigkeitswert.

      Zum Dritten ist auch der krumme Alkoholwert von 53,8% kein Argument, denn Duncan Taylor füllt immer mit solchen Zahlen ab. Es sind derzeit über 10 Abfüllungen auf dem Markt, alle mit krummen Alkoholwerten zwischen 52% und 55%. Das Alter reicht dabei von 10 bis 16 Jahren und die Herkunft ist querbet: Jamaica, St. Lucia, Guyana, Guadeloupe, …

      Meiner Meinung nach wird soviel verdünnt, bis eine für das Fass ideale Trinkstärke erreicht ist – aber das werde ich noch versuchen herauszufinden.

      Viele Grüße
      Cornelius

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      • Das simpelste Argument zieht schon mal. Da es nicht auf der Flasche steht, muss es auch nicht drin sein. So weit, so gut. Das leuchtet ein. Trotzdem möchte ich noch einige Erläuterungen zu den anderen Punkten geben.

        Du vergleichst die Luftfeuchtigkeit von Schottland und Trinidad, lässt aber die Temperatur außen vor. Schottland hat ein ungefähres Jahresmittel von 7,5° C, wogegen Trinidad ganze 26° C in den Ring werfen kann. Zusätzlich dazu hat Trinidad im Gegensatz zu Schottland eine aride Saison zwischen Februar und April. Schottland hat dafür Winter mit Schnee. Klimatisch sind das doch riesige Unterschiede, auch wenn die Luftfeuchtigkeit ähnlich ist.

        Eine heiße Reifung bedeutet im Normalfall, dass mehr Wasser als Alkohol verdunstet und damit der Alkoholgehalt über die Reifungsdauer steigt oder zumindest stagniert. Der Angels‘ Share ist in diesem Fall extrem hoch (siehe Caronis von Velier).

        Dass der Krumme Alkoholgehalt von 53,8% vol. gegen eine Verdünnung spricht, habe ich nicht behauptet. Für Pseudo-Fassstärken gibt es genügend Beispiele (Ardbeg Corryvreckan/Uigeadail).

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        • Mir war bisher lediglich bekannt, dass die Verdunstung bei hohen Temperaturen wesentlich schneller abläuft als bei niedrigen. Die Tatsache, dass bei hohen Temperaturen der Anteil des Wassers in der verdunsteten Menge größer ist und es sich bei niedrigen Temperaturen genau umgekehrt verhält, ist neu für mich. Hast du zufällig irgendwelche Quellen zur Hand? Wobei auch ein Selbstversuch auch spannend wäre 😉 Aber auch wenn das so ist, kann es eigentlich keinen derartigen Alkoholabfall erklären – müssten doch im Vergleich zu anderen Abfüllungen zusätzliche 10% Alkohol verdunstet sein – ausgelöst durch ein paar wenige Jahre Reifung in Schottland.

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          • „Abfüllungen von Booker’s weisen zwischen 60 und 65 Vol.-% auf. Dies ist mehr als das gesetzlich definierte Maximum von 62,5 Vol.-%, mit dem ein Bourbon Whiskey normalerweise ins Fass gelangen darf; d.h. die zusätzliche Konzentration des Alkohols passiert erst während der Phase des Ausreifens. […] Der Wasseranteil eines Whiskeys wird über die Jahre in den von großer Hitze betroffenen oberen Stockwerken eines warehouses nämlich rascher reduziert, als der Alkoholanteil, womit ebensolche Bourbons wie Booker’s, Elijah Craig Barrel Proof oder George T. Stagg auf natürliche Art heranwachsen können.“ – Thomas Domenig, Sweating the Cask, Weißensee 2014, S. 30.

            Natürlich ist der Verlust von 10% vol. nicht allein durch die Lagerung in Schottland zu erklären. Da wäre es interessant zu wissen, wie Duncan Taylor den Rum aus der Karibik bezieht: Im Bulk oder bereits in Fässer abgefüllt? Nichts Genaues weiß man nicht. Rein hypothetisch könnte es auch sein, dass DT den Rum im Bulk kauft und ihn in Schottland vor dem Umfüllen in eigene Fässer heruntersetzt.

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