Ron Zacapa Centenario Etiqueta Negra 23

Heyho Rumfans,
Wilkommen zum BarrelProof-Review Nummer 1!

Wie bereits im ersten Beitrag angekündigt, ist das heutige Thema Ron Zacapa sowie der Ron Zacapa Centenario Etiqueta Negra Sistema Solera 23. Warum genau dieser Hersteller bzw. genau dieser Rum? Nun, das ist recht einfach: Für mein erstes Rum-Review habe ich mir einen Rum ausgesucht, den viele von Euch bereits kennen und sich vielleicht in meinen Beschreibungen und Verkostungsnotizen wiedererkennen und Gemeinsamkeiten entdecken können. Aber keine Angst: Wir werden schnell auch zu euch unbekannteren Flaschen kommen, wieder reinschauen lohnt sich also!

Nun, zurück zu Ron Zacapa. Zacapa Rums kommen aus Südamerika, genauer gesagt aus Guatemala. Aber wer oder was ist eigentlich Zacapa genau? Also von vorne: Guatemala ist in 22 sogenannte Departamentos, das sind Regionen, die mit unseren deutschen Bundesländern vergleichbar sind, eingeteilt. Eine dieser Departamentos hießt Zacapa und hat eine Hauptstadt, die – wer hätte es gedacht – ebenso Zacapa heißt (Region und Stadt sind dabei unterschiedlich und kein Stadtstaat wie Hamburg oder Berlin). Zur Feier des 100 jährigen Jubiläums der Stadt Zacapa im Jahre 1976 wurde ein Rum kreiert: Der Ron Zacapa [5]. Und spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass der Rum den Namen der Stadt trägt.

Das Zuckerrohr, das für die Produktion des den Ron Zacapa benötigt wird, wird auf eigenen Plantagen im Departamento Retalhuleu angebaut wird. Diese Region liegt im tropischen Südwesten Guatemalas an der Pazifikküste. Die heißfeuchten klimatischen Bedingungen sowie der Vulkanascheboden eigenen sich dort besonders gut für den Anbau von Zuckerrohr. Was jetzt die gesamte Range der Zacapa Rums von anderen Rums unterscheidet ist der Herstellungsprozess bzw. die Verarbeitung des Zuckerrohrs:  In der Regel wird für Rums des spanischen und britischen Stils zur Herstellung Melasse, ein dunkles, sirupartiges Abfallprodukt der Zuckerherstellung, verwendet, das zunächst fermentiert und anschließend destilliert wird. Beim französichen Stil wird stattdessen das gepresste Zuckerrohr direkt fermentiert. Zacapa ist in dieser Hinsicht weder Fisch noch Fleisch: Das frische Zuckerrohr wird dort wie beim Rhum Agricole gepresst und der Saft anschließend zu virgin sugar cane honey eingekocht [1]. Dies verlängert die Haltbarkeit des Zuckerrohrsaftes immens und es kann das gesamte Jahr – auch außerhalb der Zuckerrohrsaison – destilliert werden. Dieser jungfräulicher Zuckerrohrhonig[2] (den Begriff kann sich nur ein Marketer ausgedacht haben, das ist ja noch schlimmer als die englische Originalbezeichnung – ich verkneife mit mal ein Grinsen …) wird dann fermentiert.

Nach der Fermentierung und der sich anschließenden Destillation wird der Rum für die Lagerung in Fässer abgefüllt. Dabei kommen extra ausgebrannte Ex-Bourbon Eichen- und spanische Pedro Ximenez Sherryfässer zum Einsatz [3]. Weitere Details, wie die einzelnen Fasslagerzeiten oder ob first/second Fill-Fässer zum Einsatz kommen, sind von Zacapa leider nicht veröffentlicht worden.

Die Fässer werden dann ins Lagerhaus von Zacapa, das auch liebevoll auch das Haus über den Wolken genannt wird, eingelagert. Dieser Name leitet sich aus der geografischen Lage des Lagerhauses ab: Es befindet sich in etwa 2300 Höhenmeter [2]. Dadurch wird Temperatur und Luftfeuchtigkeit des sonst eher tropischen Klimas am Lagerort auf etwa 14°C [4] reduziert, was zu eher kontinentalen als tropischen Bedingungen für die Fassreifung führt.

Aus dem oben beschriebenen Prozess werden derzeit fünf bei uns regelmäßig verfügbare Produkte. Die gesamte Range umfasst:

  • Ron Zacapa 15 (5 – 15 Jahre, 40%)
  • Ron Zacapa 23 (6 – 23 Jahre, 40%)
  • Ron Zacapa 23 Etiqueta Negra (6 – 23 Jahre, 43%)
  • Ron Zacapa XO (6 – 25 Jahre, 40%)
  • Ron Zacapa Reserva Limitada (45%, Jahrgangsabfüllung vom 23, extra Finish, verfügbar seit 2013, aktuell ist Abfüllung 2014)

Dazu kommen noch eingestellte, abgelöste und Sonderabfüllungen wie der Black Label, der Straight from the Cask oder der Centenario 30 Aniversario. Diese sind aber entweder nicht mehr oder nur noch zu horrenden Preisen zu beziehen.

Doch so langsam reichts mit Hintergrundinfos, kommen wir zum Rum des ersten Reviews, dem Etiqueta Negra.

Der Ron Zacapa Centenario Etiqueta Negra 23 durfte bis zu 23 Jahre im Solera-System reifen durfte. Die 23 Jahre Reifung im Solera System dürfen dabei keinesfalls mit einer Reifung des gesamten Destillates über volle 23 Jahre verwechselt werden. Beim Solera System wird stattdessen ganz grob erklärt regelmäßig ein gewisser Anteil des gereiften Rums aus dem Fass in Flaschen abgefüllt und das Fass anschließend mit kürzer gereiftem Rum aus späteren Jahrgängen aufgefüllt. Das führt im Endeffekt dazu, dass nur ein kleiner Teil des Rum in dieser Flasche wirklich 23 Jahre als ist – der Rest ist wesentlich jünger – nämlich 6 bis 23 Jahre. Aber eine 23 macht sich auf der Flasche gut – und nach der Umstellung des echten 23 jährigen vor einigen Jahren auf das Solera System wäre es aus Marketingsicht sicherlich unvorteilhaft gewesen aus der 23 nun eine 6 zu machen.

Im Glas hat der Rum ein sehr dunkle, kupferne, fast mahagonifarbene Färbung. Schön glänzen braune und orange Reflexe, wenn sich das Licht im Glas bricht. Da es sich um keine echten 23 Jahre Lagerung, sondern um das Solera-System handelt, wurde hier sicherlich nachgefärbt. Und ja, einmal kurz Google angeworfen liefert: Enthält Zuckerkulör. Schade, damit ist Diskussion über die Farbe hinfällig. Zur Konsistenz bleibt noch zu sagen, dass der Rum recht dickflüssig, schon fast likörartig ist. Auch hier wurde mit Sicherheit mit einem deutlichen Zuckerzusatz nachgeholfen.

In der Nase treten deutlich süße Aronen von braunem Zucker, Karamell und Vanille hervor – und das ohne, dass der Alkohol auch nur zu spüren wäre. Dazu kommt ein doch recht deutlicher Holzeinfluss mit den entsprechenden Eichearomen. Über all dem schwebt eine deutliche Kaffee- und Kakaonote.

Im Mund ist der Rum dann eher würzig, kräftig und trotzdem mild. Die Aromen aus der Name sind alle noch immer vorhanden und werden durch eine noch ausgeprägtere Süße von Milchschokolade ergänzt. Dazu ein Hauch Lakritze und Anis.

Im Abgang erst mild mit Milchschokolade um dann würziger werdend in Richtung Bitterschokolade zu gehen. Dazu noch immer Lakritze, Eiche, Vanille und Karamell.

Fazit: Ein guter, komplexer Rum, der sicherlich so schnell nicht langweilig wird. Zu meinen persönlichen Favoriten wird jedoch leider nicht zählen können. Dazu ist er einfach zu süß und geht schon sehr deutlich in Richtung eines Likörs. Freunde des süßen Rums kommen hier jedoch voll auf ihre Kosten!

PS: Bevor ihr fragt: Wertungen sind „offline“ notiert und werden mit dem 10ten Review veröffentlicht.


[1]  A Trip to Guatemala for Zacapa Rum
[2] Diageo Rum Overview
[3] Zacapa Press Release: Distillation and Fermentation
[4] Zacapa Press Release: Zacapa Fact Sheet
[5] Zacapa Press Release: FAQ

Hinterlasse einen Kommentar