Rumdealers‘ Selection Guyana Enmore 24 Jahre 1990

Heyho Rumfans,
schön, dass ihr beim BarrelProof Review Nummer 14 wieder dabei seid!

Heute habe ich einen Rum für Euch, vom dem ich erwart habe, dass er zu dem zuletzt verkosteten Our Rum & Spirits Guyana Enmore 24 Jahre aus dem Jahr 1990 identisch ist. Es handelt sich um den Rumdealers‘ Selection Guyana Enomre 24 Jahre 1990, laut Flaschenetikett ebenfalls aus dem Fass Nr. 20 mit identischem Alkoholgehalt von 61,2%. Im Rahmen einer Flaschenteilung mehrerer Abfüllungen von Rumdealers‘ Selection habe ich diesen – auch des Preises wegen – einfach als kleines Sample mitgenommen. Our Rum & Spirits wusste schließlich zu überzeugen. Ich dachte mir, da scheint ein Fass an zwei Abfüller aufgeteilt worden zu sein – bei kleinen Abfüllern und altem (und somit teurem) Rum kann es durchaus vorkommen, dass nur Fassanteile gekauft werden.

Also neulich Abends den Enmore vom Rumdealer ins Glas. Merkwürdig – der ist definitiv anders als der in der Erinnerung hinterlassene Eindruck von Our Rum & Spirits. Aber vielleicht liegt das ja am mir, meiner Tagesform, meinem Mittagessen oder sonst irgendwelchen nicht wirklich kontrollierbaren Einflüssen. Also schnell den OR&S vergleichsweise in ein zweites Glas eingeschenkt und Tatsache – das sind definitiv Unterschiede vorhanden. Der Alkohol ist präsenter, der Raum schwächer, … Merkwürdig. Wie kann das bei identischem Fass sein? Irgendwas stimmt hier nicht. Ein Zahlendreher oder etwas in der Art kann ausgeschlossen werden, dann wäre entweder die Fassnummer oder der angegebene Alkoholgehalt unterschiedlich – aber dass beide Angaben zufälligerweise auf einen real existierenden Wert verdreht wurden, ist meiner Meinung nach nicht möglich.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, haben ich mit beiden Abfüllern den Kontakt gesucht – irgendwo muss hier etwas mächtig schief gelaufen sein. Entweder beim Etikett oder beim Rum selbst.

Vom Brühler Whiskyhaus, das hinter den Abfüllungen der Serie Rumdealers‘ Selection steht, habe ich leider bis heute keine Antwort auf meine Anfrage vom 1. Juni erhalten. Schade!

Christian Nagel, der Kopf hinter Our Rum & Spirits, dagegen konnte und wollte mir helfen, die offenen Fragen zu klären – der Sachverhalt war ihm sogar schon bekannt. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal ist Fass Nr. 20 komplett von OR&S abgefüllt worden. Das Fass wurde nicht geteilt und es wurden auch keine Anteile an andere Abfüller abgegeben. Somit sind definitiv die Fassnummer und höchstwahrscheinlich auch der Alkoholgehalt auf den Flaschen von Rumdealers‘ Selection falsch. Damit stellt sich die Frage, wie das Brühler Whiskyhaus überhaupt den korrekten Alkoholgehalt von Fass 20 kennen und auf die Etiketten zu drucken konnte, wenn es doch ein ganz anderes Fass abgefüllt hat. Diese und andere Fragen hat Christian Nagel dem Zwischenhändler, der den Rum von England nach Deutschland importiert und von dem er sein Fass gekauft hat, gestellt, und eine verblüffend einfache Antwort erhalten. Beide Abfüller haben ihre Fässer bei dem gleichen Händler erworben. Dieser hat nun beim Versand des Rums an beide Abfüller jeweils einen Lieferschein ausgestellt, auf dem die Fassnumer und der Alkoholgehalt von Fass 20 aufgeführt war – obwohl der gelieferte Rum im Fall vom Brühler Whiskyhaus aus Fass Nr. 17 stammt und einen anderen Alkoholgehalt aufweist. Beide mussten also davon ausgehen, dass der Rum aus Fass 20 stammt und 61,2% hat. Im einem Fall lag man damit natürlich daneben. Ob das Brühler Whiskyhaus vielleicht sogar Fass 20 bestellt fälschlicherweise 17 geliefert bekommen hat, kann ich nicht beantworten – vielleicht erhalte ich ja noch eine Antwort auf meine Anfrage. Der Händler hat jedenfalls, nachdem ihm dieser Faupax mit dem falsch ausgestellten Lieferschein klar geworden ist, alle Kunden über diesen Zustand informiert. Zu dem Zeitpunkt waren aber wohl die Etiketten schon gedruckt, die Flaschen bereits im Handel und obiges Pressefoto im Umlauf. Was noch offen bliebt ist die Frage nach dem wahren Alkoholgehalt von Fass 17 – mein Sample ist zu klein, als dass ich damit eine Messung durchführen könnte.

Und die Moral von der Geschichte? Probieren, probieren, probieren! Egal was wo auf welchem Etikett steht und was man glaubt vor sich zu haben. Eventuell wird man überrascht oder gar eines Besseren belehrt.

Jetzt noch einmal kurz eine Zusammenfassung der Fakten und dann endlich das Review, auf das Ihr schon die ganze Zeit wartet.

Faktencheck

Alter: 24 Jahre
Herkunft: Guyana
Destillerie: Enmore Distillery
Abfüller: Brühler Whiskyhaus / Rumdealers' Selection
Alkohol: 61.2% Vol.
Destilliert: 1990
Abgefüllt:
Fassstärke: Ja
Einzelfass: Ja
Natürliche Farbe: Ja
Fassnummer: 17
Flaschennummer: unbekannt
Flaschen insgesamt: unbekannt

In der Nase zunächst eine alkoholische Note, die für schätzungsweise knapp über 60% jedoch noch immer relativ moderat ausfällt. Minimal ausgeprägter Rauch und dazu ein Hauch Vanille, ein paar Kräuter und ein Anflug von Anis. Im direkten Vergleich mit der Abfüllung von Our Rum & Spirits aber stärker im Alkohol, schwächer in den Aromen und weniger komplex und rauchig. Die Ähnlichkeit ist nicht so deutlich wie erwartet.

Im Mund sehr intensiv, sehr würzig und ölig. – ein ebenso mundfüllendes Erlebnis wie bei Fass 20. Der ganze Mundraum prickelt warm und würzig, leicht fruchtig. Leicht modriges, altes Holz mit den typischen reifen Früchten wie Rosinen und meinen so oft gefundenen Backpflaumen. Ganz leicht macht sich der hier sonst sehr dezente Rauch bemerkbar.

Der Abgang ist wärmend, intensiv und lang. Nach etwa zehn bis fünfzehn Sekunden bitterer werdend – Bitterschokolade, Tabak, etwas schwarzer Tee. Hier ist die Reife und die lange Lagerzeit definitiv nicht mehr zu leugnen. Für Genießer, die intensiven Eichennoten abgeneigt sind, ist dieser Rum im Abgang vielleicht schon etwas zuviel. Ich persönlich mag das manchmal gerne, finde aber, dass es in diesen Rum nicht gänzlich passt.

Fazit und Wertung

Aroma
7 / 10
Geschmack
8.5 / 10
Aftertaste
8 / 10
Gesamt

Ein schöner Rum, der es verdient hat, dass man sich Zeit für ihn nimmt, ihn langsam kennen und schätzen lernt. Da er nicht mehr verfügbar ist, erübrigt sich eine Empfehlung. Preislich lag der in Halbliterflaschen abgefüllte Rum bei umgerechnet etwa 85€ pro 0,7l und war damit deutlich günstiger als die noch verfügbare aber 25€ teurere Abfüllung von Our Rum & Spirits. Für das Alter war die Abfüllung ein wirkliches Schnäppchen – auch wenn mit persönlich die Abfüllung aus Fass 20 besser gefällt.

Um für alle, die vom 24-jährigen Enmore aus 1990 nicht genug kriegen können: In einem der nächsten Reviews habe ich einen eben solchen vom Abfüller The Rum Cask für Euch.

Bis zum nächsten Review,
Cornelius

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