Velier Diamond and Port Mourant 1999/2014 15 Jahre

Heyho Rumfans,
schön, dass ihr beim BarrelProof Rum Review Nummer 20 wieder dabei seid!

Bedingt durch die durchgehend hohen Temperaturen von 35°C und mehr und der damit verbundenen Verlagerung der Getränkepräferenzen in Richtung Weißweinschorle geht es erst heute bei abgekühlten Außentemperaturen mit dem nächsten Rum Review weiter. Als kleine Entschädigung für die lange Wartezeit habe ich Euch einen ganz besonderen Tropfen herausgesucht: Einen Very Rare Diamond and Port Mourant 1999/2014 von Velier. Für diese Abfüllung wurden vier experimental Fässer, die ihre fünfzehnjährige Reifezeit in den Tropfen verbracht haben, vermählt. Wofür das experimental steht ist mir nicht bekannt, Velier hat auf meine Anfrage leider bisher nicht geantwortet. Sicher ist jedoch, dass es sich um Fässer zwei unterschiedlicher Brennblasen und Produktionsweisen handelt. Zum einen ist in dieser Flasche Rum, der aus der Metal Coffey Still des ehemaligen Diamond Besitzes stammt, zum anderen Rum, der in der Wooden Double Pot Still von Port Mourant destilliert worden ist. Ich bin gespannt, wie sich diese beiden doch sehr unterschiedlichen Pot- und Column-Destillate ergänzen und bereichern können.

Faktencheck

Alter: 15 Jahre
Herkunft: Guyana
Destillerie: Diamond / Port Mourant
Abfüller: Velier
Alkohol: 52.3% Vol.
Destilliert: 1999
Abgefüllt: 07/2014
Fassstärke: Nein
Einzelfass: Nein
Natürliche Farbe: Nein
Fassnummer:
Flaschennummer: unbekannt
Flaschen insgesamt: 1148

Im Glas ist dieser Rum – wenn nicht gerade gegen das Licht gehalten – fast undurchsichtig. Ein dunkeldunkelbraunes Mahagoni mit weinroten Reflexen wie man es nur selten finden. Kurz im Glas geschwenkt macht der Rum einen relativ dickflüssigen Eindruck und nur langsam fließen die sich bildenden Tröpfchen und Schlieren Richtung Erdmittelpunkt. Hoffentlich sind die ausgeprägte Farbe und Viskosität auf natürliche Weise entstanden – einen bleibenden Eindruck hinerlässt der Rum aber so oder so.

Das Aroma breitet sich bereits beim Öffnen der Flasche aus – dunkel, schwer und intensiv liegt der Rum im Raum. Mein allererster Gedanke war: Navy Rum! Die Nase ins Glas gehalten entfaltet sich sofort ein unheimlich komplexes Konglomerat verschiedener Aromen: Lakritz, Lebkuchengewürz, dunkle Schokolade, Früchtebrot, Trockenobst und reichlich süßes Karamell. Im Hintergrund etwas versteckt Vanille. Assoziationen von Pfefferkuchen und Früchstückskuchen kommen auf. Ein Anflug von Zimt, Anis und Kardamom sowie etwas Kräutriges runden das Ganze wunderbar ab, der Alkohol ist zu keiner Zeit auch nur Ansatzweise als störend wahrzunehmen.

Geschmacklich sofort sehr intensiv, kurz kommt der Alkohol etwas durch. Pfeffer, schwach Salmiak, später Schokolade. Getrocknete Rosinen und diverse Kräuter, dazu wieder das Früchtebrot. Ölig rinnt der Rum den Rachen runter, und trotz der recht hohen Intensität ist das Mundgefühl durchgängig cremig und ölig. Insgesamt aber auch relativ süß.

Das Finish ist trockener als der geschmackliche Eindruck. Sind zunächst reife Früchte und Schokolade präsent, wird der Rum langsam minimal rauchig und wärmend. Die Schokolade wird intensiver und die Lebkuchengewürze entwickeln sich wieder. Ebenso wieder Lakritz. Typisch Navy Rum – aber definitiv ein äußerst hochwertiger!

Aroma
9 / 10
Geschmack
9 / 10
Aftertaste
9 / 10
Gesamt

Ein wirklich toller Rum, der von seinem Profil meiner Meinung nach jedoch eher in den Herbst und Winter als in den Hochsommer passt. Aber für das Wetter kann der Rum ja nichts. Die wirklich schlechte Nachricht ist jedoch eine andere: Der Rum ist teuer und zumindest in Deutschland meines Wissens nach nicht mehr wirklich verfügbar. In Italien oder Frankreich sollte man aber noch fündig werden – auch wenn dort die Flaschen sicherlich nochmals höher gehandelt werden als die 160€ die hierzulande aufgerufen worden sind. Wer eine Vorliebe für komplexe, intensive Navy Rums im britischen Stil hat, macht mit dieser Abfüllung auf keinen Fall etwas falsch!

Bis zum nächsten Review,
Euer Cornelius

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