Velier Caroni 12 Jahre 2000

Heyho Rumfans,
schön, dass ihr beim BarrelProof Review Nummer 6 wieder dabei seid!

Heute habe ich ein Review eines Rums für euch dessen Destillerie bereits vor über 10 Jahren schließen musste: Die Caroni Distillery. Die Produktion dort wird um das Jahr 2002 eingestellt und die Brennblasen angebaut. Von den damals noch verfügbaren, bereits abgefüllten Fässern hat sich Verlier Spa, ein unabhängiger Abfüller aus Italien, einen großen Anteil gesichert und bringt diese nun nach und nach auf dem Markt. Mehr dazu in einem bald erscheinenden Artikel über die Destillerien in Trinidad und Tobago sowie einem extra-Artikel über die Caroni Destillerie.

Die Flasche des 12-jährigen Caroni kommt in einer schönen, hochwertigen Pappbox daher, in der die zusätzlich in Luftpolsterfolie eingewickelte Flasche steckt. So einen Transportaufwand sieht man in dieser Preiskategorie selten – ich weiß leider nicht, ob das bei Velier zur Standardverpackung gehört, oder ob sich mein Händler hier die Mühe gemacht hat. Sobald die Flasche aus der Box gezogen und von der Folie befreit ist, kommt ein schönes, im Vierfarbdruck erstelltes Etikett zum Vorschein. Sowas sieht man bei Flaschenetiketten selten und ich kann mich nicht erinnern, dass mir diese Druckart bereits vorher einmal aufgefallen ist. Wenn ihr das Bild unten vergrößert solltet ihr die einzelnen Farbpunkte erkennen können.

Preislich liegt diese aktuell in Deutschland problemlos verfügbare Rum bei teilweise unter 40€ – für einen 12 Jahre alten, unabhängig abgefüllten, tropisch gereiften 50%igen Rum einer bereits geschlossenen Destillerie ein wirklich guter Preis.

Detailausschnitt des Frontetiketts des 12-jährigen Caroni aus dem Jahr 2000

Detailausschnitt des Frontetiketts des 12-jährigen Caroni aus dem Jahr 2000

Im Glas strahlt der Rum in einem satten Bernstein bzw. altgoldfarben mit gelben und kupfernen Reflexen. Für einen nur 12 Jahre alten Rum eine satte Farbe und laut unterschiedlichen Händlerangaben soll er ungefärbt sein. Alleine an der Farbe dieses Rums erkennt man schnell die Unterschiede zwischen einer kontinentalen und einer tropischen Lagerung. Bei der in den Tropen herrschende Hitze und Luftfeuchtigkeit beschleunigen sich chemische Prozesse und somit die Lagerung enorm. Daher bilden sich am Glasrand auch schnell dünne, aber deutliche Schlieren, was auf auf eine gewisse Samtigkeit und Öligkeit hindeutet. Diese Erscheinung im Glas ist sehr vielversprechend und so langsam macht sich bereits der Duft des Caronis im Raum breit.

In der Nase drängt sich zu Beginn sofort eine schwache Rauchigkeit auf, die von einer leichten, toffeeartigen Süße und einem Hauch Vanille ergänzt wird. Im Hintergrund liegt schon eine deutliche Holznote, die eine angenehme Würzigkeit und Intensität mit sich bringt. Dazu kommen völlig unerwartete und bisher von mir in Rum nicht wiedererkannte Aromen von Lampenöl, Benzin und Teer, die den Rum aus der großen Masse deutlich hervortreten lassen. Positiv abgerundet wird die Nase von schwach kühlendem Alkohol, der für 50% wunderbar in das Destillat eingebunden ist und zum Rum passt.

Geschmacklich ist der Rum anders als alle bisher von mir verkosteten Rums und anfangs schwer zu beschreiben. Durch die 50% ist er sehr intensiv, ohne dabei alkoholisch zu werden. Er ist trocken, ohne jede Fruchtigkeit und trotzdem irgendwie süß. Aber nicht diese Art Süße, die von zugesetztem Zucker herrührt, sondern eher eine leichte, angenehme, aus den Fässern gewonnene Süße. Dazu kommt eine ausgeprägte Würzigkeit mit etwas Anis. Insgesamt schmeckt der Rum schmutzig und dreckig – im positiven Sinne. Dann wieder der Teer, das Lampenöl und dazu der Schwache Rauch – kein Rauch wie man ihn von einem Laphroaig oder Ardbeg kennt, sondern eher, als ob eine Fabrik in einiger Entfernung verbrennt und die Durstschwaden herüberziehen.

Im Abgang hält sich alles, was auch geschmacklich wahrzunehmen war, sehr lange. Dazu kommen reife Holzaromen aus den Eichenfässern wie Bitterschokolade, Kaffee und vielleicht etwas Tabak – und jetzt endlich, am fernen Horizont, etwas reife, exotische Frucht, die aber zu schwach ist um genauer definiert werden zu können.

Fazit und Wertung

Der Velier Caroni 12 Jahre 2000 ist definitiv ein toller Rum! Er ist anders ist als vieles, was ich bisher probieren durfte und sticht deutlich aus der Massse heraus. Vielleicht bin ich etwas voreingenommen, aber da dies Sample mein erster Caroni war, habe ich mir sofort eine ganze Flasche bestellt. Wenn ihr Lust auf etwas Neues, abseits vom Mainstream habt, greift hier zu! Ich befürchte, dass sich diese Abfüllung nicht allzu lange auf dem Markt halten wird. Insgesamt wunderbare, fast volle 9 Punkte.

Aroma
9 / 10
Geschmack
8.5 / 10
Aftertaste
8.5 / 10
Gesamt

Bis zum nächsten Mal,
Cornelius

2 Comments

    • Hi Ruminsky,

      as i’ve tasted some more Caronis in the last few weeks, i can confirm your impressions: The aromas you mentioned are typical for most Caroni bottlings – except vintage 1998. It seems that bottles distilled in 1998 are much less smoky, oily, dirty and tarry that the others. Good examples are the currently availble Rum Nation Caroni 16y 1998 2nd batch and the “big brother” of the reviewd bottle: the Velier Caroni 15 years 1998.

      Maybe i should publish an review of the 15y old later – but the sample is already emptied and i didn’t take a photo.

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