Zuckersüßer La Favorite

Rum und Zucker. Schrillen da bei Euch die Alarmglocken? Wahrscheinlich nicht, denn es sollte mittlerweile bei den meisten Rumfreunden bekannt sein, dass leider sehr viele Hersteller ihren Rum durch süßende Zusätze und/oder gar zusätzliche Aromen abrunden. Um die Sache für den Verbraucher an der Stelle transparenter zu machen, gibt es seit vielen Jahren das AOC Martinique. Das Ganze ist ein nationales französisches Siegel, vergleichbar mit der geschützten Ursprungsbezeichnung auf europäischer Ebene. Dieses Siegel schreibt den Produktionsprozess, erlaubte Zutaten, Lagerungsmethoden und vieles mehr vor, an die sich die Produzenten zu halten haben, wenn dieser Rum das Siegel bzw. den Titel AOC Martinique Rhum Agricole tragen soll.

Nun sind durch die vielen undeklarierten Zusätze beim Rum in letzer Zeit sogenannte Zuckertests, bei denen über eine Dichtemessung der Zuckergehalt eines Rums bestimmt wird, in Mode gekommen. Damit kann der Zuckergehalt einer Flüssigkeit relativ genau bestimmt werden. Da Rum destilliert wird kann in der Flüssigkeit, die in die Fässer gefüllt wird, kein Zucker enthalten sein. Eventuell vorhandene Süße muss also entweder aus den Fässern stammen oder manuell zugefügt worden sein. Um nun solche Additive zu unterbinden müssen Rhums, die das AOC Martinique Siegel tragen völlig frei von jeglichen Zusätzen wie Früchten, Sirupen oder Zucker sein.

Nun hat jedoch Cyril von DuRhum erheblich erhöhte Zuckerkonzentrationen in zwei Rhum Agricole aus Martiniqie festgestellt. Beide Stammen vom Produzenten La Favorite und tragen das AOC Martinique Siegel. Im Rhum La Favorite Cuvée Privilèges waren es 45g/l und im Rhum La Favorite Cuvée Spéciale des Cavistes sogar 49g/l. Das sind extrem hohe Werte, die sogar den Zuckergehalt von Rums wie El Dorado, Zacapa oder Ron Millonario übersteigen. Durch eine klassische Fassreifung  sind solche Konzentrationen unmöglich zu erzeugen und es ist offensichtlich, dass an dem Produktionsprozess einige Optimierungen vorgenommen worden sein müssen.

Auf diesen Zustand angesprochen gab  Franck Dormoy, Inhaber der Destillerie La Favorite,  zu, bei der Produktion durchaus natürliche Gewürze und kandierte Früchte aus einem alten Familienrezept einzusetzen [2]. Auch von Pflaumen im Fass wird gemunkelt. Darauf stellt sich natürlich die Frage, wie ein solcher Rhum ein AOC-Martinique Siegel erhalten haben kann, sind solche Additive doch streng verboten. Die Nachfrage beim AOC ergab letztendlich, dass ein solches Siegel für diese Rums nicht existiere. Wie kommt nun das Siegel auf die Flasche? Cyril fragte also nochmals bei La Favorite nach, und diesmal antwortete Paul Dormoy, dass es sich hierbei um einen bedauerlichen Druckfehler handele und man diesen Fehler schnellstmöglich korrigieren werde.

Und das Ende der Geschichte?
Medienwirksam war das Ganze zumindest in Frankreich ein riesiges Fiasko für La Favorite. Sie haben ihr Facebookprofil auf Eis gelegt, sind aus der Bruderschaft des Rhum (La Confrérie du Rhum, 8100+ Mitglieder) ausgetreten und sollen sogar Messetermine abgesagt haben. Hier in Deutschland ist bisher leider wenig davon angekommen – daher auch dieser Artikel.

An dieser Stelle nochmals mein Dank an Cyril für deine Recherchen und dein Engagement bei der Aufklärung solcher Missstände. Weiter so!

Bis zum nächsten Mal,
Euer Cornelius

PS: Ein detaillierter Artikel über AOC Martinique folgt demnächst.

[1] http://durhum.com/saccharhum-bis/
[2] http://durhum.com/lettre-ouverte-de-franck-dormoy/
[3] http://durhum.com/fin-du-cas-la-favorite/

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